Freitag, 13. Februar 2015

Angouleme 2015!

by Ulli Lust
It was supposed to be the festival of Bill, Bill Waterson, artist of "Calvin and Hobbes" and festival president 2015. But it was the year of Charlie. 


Hotel de Ville


Joakin Pirinen 


No pens this time.
Covers of "Charlie Hebdo" were placarded all over the city. Studying them, I begann to wonder, why the Festival censored one of my comic pages in an exhibition 2012. It showed dancing people in a fetish club, - all relevant body parts  were covered - but the festival considered it not to be appropriate for school children who also attended the exhibition.  
Baby Charlie
Window display in a shop for hearing aids
Vandalism at the Place de la République (Paris)


But I'm gettting ahead, we are still in Angouleme.
Hunched backs of comic artists at work: Brendan Leach (back only), Derf Backderf, Joseph Lambert at the stand of çà et là.
Rain outside makes it feel cosy in the tends. 
It is a funny coincidence, that my sweetheart Kai Pfeiffer  has his signing place exactly opposite of mine. We are publishing at different editions, Kai's book "Plus si entente" (together with Dominique Goblet) was released last september  by Actes sud BD & Frémok.
Bildunterschrift hinzufügen

Kai and Dominique talking about their collaboration. 
Young artists in the audience are drawing old artists on stage. 
Paz Boira presents her new book "Les animaux de distance" at the Frémok booth.  
After the gate closure vodka is served at the scandinavian booths. with Bill Kartalopoulos, Paz Boira and Dominique Goblet. 
Kai Pfeiffer and Martin Ernstsen exchanged glasses. Suddenly Martin has the lady killer looks, while Kai gets an almost peacefull expression. 
Saturday the lines caused by security are getting longer and longer. 
I won't leave the tent anymore. It's raining anyway.  
Anna Sommer, signing 
At night at the Chat noir: Frederic Strömberg, Nina Hemmingson and Anneli Furmark, still drawing.
Paul Gravett, enthusiastic
Anneli and me happen to have the same taste in hats. 
Appearence of myself with a better hair style at the exhibition of "Employé du moi"
The festival ends, but not the trip. Serge from Ça et là organized signings in several bookshops in and near Paris.  
For example at the Librairie Millepages in Vincennes, with Liz Prince, Josh Neufeld and Dylan Horrocks (not arrived yet). 
In leisure time I visited vintage stores together with my son and his fashion loving girlfriend Anita. While we checked the particular store below, Phil was waiting outside, after some time went to buy a falaffel, ate the falaffel, waited again ..

Sorry Phil! But look at Anita in her new dress!

Me & Phil at the Louvre
Liz Prince, signing

Joseph Lambert and his astonishing sketchbook
with Liz and Joseph at the Librairie Au Grand Nulle Part in Rouen.
Taking a late train back to Paris, the shops at the train station were closed allready and we bought some of what they call food at a snack machine. Yes, the life of a comics artist is glamorous. 





Montag, 19. Januar 2015

Trauer um Charlie


Für ein Stadtmagazin aus Hannover sollte ich ein Titelbild als Kommentar zu den schrecklichen Ereignissen in Paris zeichnen. Mein erster Impuls war gewesen, eine Mohammed-Spott-Zeichnung beizusteuern, als einziger adäquater Antwort.  Leider fiel mir nur diese harmlose Zeichnung mit Regionalbezug ein, Max und Moritz sind zwei lokale Helden, Wilhelm Busch kam aus der Gegend. Aber es wurde kein Titelmotiv. Das Bild war dem Verlag "vermutlich zu heikel", so der Redakteur. Ich merke kurz an: es wird ständig aus lächerlichen Gründen zensiert. 



Nachtrag: Eine Woche später rehabilitierte sich die Redaktion um und druckte das Motiv auf dem Titel des Stadtmagazins mit dem martialischen Namen "Schädelspalter".

Dienstag, 23. Dezember 2014

Searle & Simplicissimus


von Ulli Lust


Ihr Ruf ist so schlecht, ich bin versucht, die Namensnennung hinauszuzögern. Und doch hat Jochen-Martin Gutsch 2003 in der Berliner Zeitung ganz bezaubernde Worte für sie gefunden:"Hannover ist das Gegenteil von Sommer. Wäre Hannover ein Monat, käme der November in Frage. Hannover als Essen vorgestellt, wäre eine Brühe, und müsste man Hannover mit einer Geste beschreiben, würde man gähnen. Hannover heißt durchfahren, aber nicht bleiben. Es ist der beste Umsteigebahnof in Deutschland."
Ich bin ausgestiegen. Genau genommen steige ich jede Woche aus und bleibe drei Tage. Ich unterrichte hoffnungsvolle junge Zeichner an der Hochschule Hannover in den Disziplinen der narrativen Zeichnung. 


Zeichnende Studenten im Georgengarten vor dem Wilhelm-Busch-Museum, Sommer 2014
Gemeinsam besuchten wir 2013 eine atemberaubende Sonderausstellung mit Bildern aus der Zeitschrift "Simplicissimus" (1896 - 1944) im hiesigen Willhelm-Busch-Museum, Museum für Karikatur und Zeichenkunst. Ja, sie raubten mir den Atem, die grossformatigen Originalzeichnungen von Olaf Gulbransson, Karl Arnold, Thomas Theodor Heine und vieler anderer. Ihre Arbeiten vereinen handwerkliche Könnerschaft, inhaltliche Schärfe und kompositorischen Mut, hier erreichten Pressezeichnungen eine ästhetische Qualität, die in späteren Publikationen selten geworden ist. Diese Blüte mag am Geist der Zeit gelegen haben.





Die Ausstellung ist längst abgebaut, die Bilder ruhen wieder in metallenen Schubladen in einem korrekt klimatisierten Raum im Keller des Museums, gemeinsam mit vielen anderen historischen Artefakten.
Dieser Schatz übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus, ich möchte ihn für meine Studenten erschliessen. Sie sollen wissen, auf welchen Schultern sie stehen. Es sind die Schultern von Riesen.

Frau Reich führt uns - den Kunsthistoriker Friedrich Weltzien und mich - nicht in den Keller, sondern über verwinkelte Hintertreppen durch Flure voller Bücherregale bis unters Dach in ihr Büro. Sie erschließt den Nachlass des britischen Zeichners Ronald Searle (1920 - 2011).  Searle hat ihn britischen Museen angeboten, aber während die sich zögerlich zeigten, sagte das Willhelm-Busch-Museum zu, nicht nur Teile seines Nachlasses, sondern das gesamte Konvolut inklusive Searles privater Sammlung historischer Karikaturen zu hegen und zu pflegen. Kurzentschlossen fuhren die (damals noch stellvertretende) Direktorin und ein Kollege mit dem Auto nach Südfrankreich in das 150-Seelen-Dorf, in dem Searle wohnte, und brachten den 2. Teil der Kisten (der 1. Teil war bereits 2010 als Verlass eingetroffen) nach Hannover. (siehe auch: Text von Andreas Platthaus für die FAZ, 2010)
Frau Reich erzählt, ich sehe mich im Raum um. Auch hier Bücherregale an allen Wänden. "Und was ist das hier?", frage ich, auf die Regale deutend. "Das ist der Nachlass," antwortet sie,"zumindest Teile davon." Ich sehe mir die Buchrücken genauer an und die in akkurater Schnörkelschrift handgeschriebenen Beschreibungen des Inhalts. Es sind keine Bücher, es sind Mappen.

Darin finden sich Belegexemplare, Korrespondenzen mit befreundeten Künstlern, Skizzen & Skizzenbücher. Es gibt eine Reihe von Mappen mit den Aufschriften wie "Birds", "Plants", "Circus" ... Ich erkenne sie: "Ach, das sind die Materialsammlungen, die man früher als Illustrator anlegen musste, Zeitungsausschnitte, Fotos, Vorlagen für Zeichnungen. George Grosz hat in seiner Autobiographie "Ein kleines Ja und ein großes Nein." sehr unterhaltsam beschrieben, wie er solche Mappen anlegte, eifrig sammelte, und später nie wieder einen Blick hineinwarf. Ich habe noch solche Mappen, aber benutze sie nicht mehr, ihr Inhalt  ist schon gelb und brüchig geworden." Friedrich Weltzien lacht: "Ja, das war vor Google-Zeiten." Ich: "Da ist Google wirklich ein Segen." Der Kunstgeschichtler gibt zu bedenken:"Aber die Zeichner der Zukunft werden keine so interessanten Materialsammlungen mehr hinterlassen. Das ist schade." 
Frau Reich:" Auch keine Korrespondenzen mehr."
Aber hoffentlich Skizzenbücher.



Mit Searles Werk habe ich mich bis zum heutigen Zeitpunkt nicht beschäftigt. Diese Nachlässigkeit erweist sich als Vorteil, denn beim Durchblättern seiner Skizzenbücher - wir beginnen beim ältesten aus dem Jahr 1939 - lerne ich ihn als 19jährigen jungen Mann kennen, nicht als bereits ausgebildete Künstlerpersönlichkeit. Er zeichnet alles, was ihm vor die Augen kommt: Menschen, Orte, Details, viele Hände, viele Füsse, viele Köpfe, kleine Zimmer. Ich zeige drauf:"Jede Wette, das sind die Zimmer, in denen er wohnte. Abends, wenn man alleine zu Hause sitzt, zeichnet man eben sein eigenes Zimmer, bevor einem langweilig wird oder einfach zum Üben. Da hat man Ruhe, deshalb sind diese Wohnsituationen meistens besonders akkurat ausgeführt." 
"Mit welchem Werkzeug er wohl zeichnete?" sinniere ich, "Feder oder Füllfeder?" 
Ich bemerke erst, dass Frau Reich aus dem Raum gegangen ist, als sie zurückkehrt und sagt:"Damit."


Mit einem klackernden Geräusch stellt sie Searles Werkzeuge auf den Tisch, zumindest jene, mit denen er - unter anderem - bis zu seinem Tod gearbeitet hat. 








Schon in den frühen Skizzenbüchern zeigt sich seine Begabung zum Portraitisten. Bald kann er die Charakteristika einer Person in wenigen Strichen einfangen. Noch zeichnet er naturalistisch, aber die Stilisierung wird von Skizzenbuch zu Skizzenbuch stärker. Anhand der Skizzenbücher kann man verfolgen, wie ein Künstler seine Handschrift findet.
Man bekommt auch Einblicke in Privates, denn ein Skizzenbuch ist eine uneditierte, chronologisch geordnete Folge von Zeitzeugnissen. Jenes hübsche Mädchen, das häufiger auftaucht, manchmal sogar leicht bekleidet ... in welcher Beziehung stand sie wohl zum Künstler?

Im Keller lagern grossformatige Originalzeichnungen.



Zum Beispiel jene, die er 1961 während des Eichmann-Prozesses angefertigt hat. 





Searles Ausweis, mit dem Zutritt zum Jerusalemer Gerichtssaal bekam.

In den Schubladen finden sich weitere Skizzenbücher, manche wurden speziell für bestimmte Reisen angelegt, und wenn die Reise zu Ende war, aber das Buch noch nicht, dann wurde es eben halbleer weggelegt. Das Büchlein aus Hamburg, St. Pauli ist bis zum letzten Blatt gefüllt. 







Herbertstrasse 
Naturstudien
1967 waren Bienenkorb-Frisuren modern.
Notfall auf der Reeperbahn


Reichlich seltsames Etablissement: "Das Hippodrom."


Fortsetzung folgt ...